Kann uns die Menschenmenge im Internet helfen, neue Ideen zu entwickeln: über Produkte, über Nutzung von Technologien bei unseren Prozessen, über neue Vertriebswege oder Kundensegmente?
Unter bestimmten Voraussetzungen sicher ja. Eine Idee könnte sein, einen offenen Innovationswettbewerb auszuschreiben und eine Kollektivarbeit der Teilnehmer zu ermöglichen. Dieser Wettbewerb könnte mit einer Brainstorming-Phase anfangen, in der Ideen präsentiert und diskutiert werden. Dabei würden sich virtuelle Projektteams bilden, die eine Idee zusammen ausarbeiten wollen. In der nächsten Phase würden diese Teams zusammenarbeiten, wobei sie einen virtuellen Kollaborationsraum nutzen würden. Dieser Raum wäre geschützt und nur für die eingeladenen Teammitglieder zugänglich. In dem öffentlichen Raum würden die Teams aber weiterhin über die grobe Richtung ihrer Arbeit informieren und eventuell über Probleme berichten, um ein Feedback der Community zu erhalten. Auf diesem Wege könnten neue wertvolle Mitglieder in die Teams aufgenommen werden. Jedes Projektteam hätte auch die Möglichkeit, Fragen an die Experten des Veranstalters zu stellen. Diese dürften allerdings nicht direkt an der Arbeit partizipieren. In der letzten Phase würden die Projektteams ihre Ergebnisse einreichen und die Besten zu einer persönlichen Präsentation ihrer Lösung einladen. Die Gewinner des Crowd-Innovation-Projektes bekämen dann eine attraktive Belohnung.
Das veranstaltende Unternehmen soll dabei bestimmte Voraussetzungen schaffen. Zuerst muss sichergestellt werden, dass die Außenwelt über den Wettbewerb erfährt. Außerdem muss das Unternehmen effektive Innovationsprozesse besitzen, die die Auswahl und spätere schnelle Realisierung unterstützen. Diese müssen schon im Vorfeld existiert und sich bewährt haben. Die notwendige technische Infrastruktur muss bereitgestellt werden: in der Anfangsphase eine Kommunikationsplattform, in der Projektphase ein virtueller Arbeitsraum (Realtime Conferencing, Web-Collaboration-Software, eventuell Spezialsoftware, z. B. CAD).
Das muss nicht mit größeren Investitionen einhergehen, weil diese Tools wahrscheinlich sowieso zur Verfügung stehen oder frei zugänglich sind. Ein besonderes Augenmerk soll das Unternehmen auf die Gestaltung der Regeln (rechtlicher Rahmen, Identifizierung der Teilnehmer, Ablauf des Wettbewerbs, notwendige Elemente der Lösungspräsentation u. Ä.) richten.
Dieses Vorgehen birgt natürlich auch Risiken. Die Konkurrenz wird mithören. Trotzdem werden die Vorteile eines solchen Vorgehens wahrscheinlich überwiegen, besonders, wenn der Veranstalter überragende Prozesse und Fähigkeiten besitzt, um Innovationen schnell umzusetzen. Es wird sicher unter den Teilnehmern auch einige wenige Störer geben, die versuchen werden, gute Ideen zu diskreditieren. Erfahrung zeigt aber, dass die Community diese selbst identifiziert und brandmarkt. Der Hersteller kann zusätzlich einen Beobachter bestimmen, der Gefahren erkennt und gegensteuert. Dieser muss aber feinfühlig vorgehen, um den Geist des Wettbewerbs und die Offenheit der Kommunikation nicht zu gefährden.
Ein willkommener Nebeneffekt der Crowd Innovation wäre die erreichte Publicity, besonders wenn der Innovationswettbewerb in eine übergeordnete Marketingstrategie eingebettet wird. Außerdem wäre das eine hervorragende Gelegenheit, talentierte neue Mitarbeiter zu identifizieren. Also ist Crowd Innovation durchaus eine interessante Idee, wenn man die Risiken aktiv managt und willig ist, die Innovationen zügig umzusetzen.